SmartDashboard
Mein Weg aus dem App-Dschungel: Die Evolution unseres Smart Homes
Der App-Dschungel: Wenn „smart“ zur Vollzeitbeschäftigung wird
Zu Beginn meines Smart-Home-Projekts war ich noch der festen Überzeugung, dass es für alle Beteiligten am einfachsten sei, die verschiedenen Systeme dezentral über die jeweiligen Hersteller-Apps zu steuern. Jedes System bringt schließlich seine eigene, perfekt optimierte Oberfläche mit. Doch die Realität im Alltag sieht schnell anders aus, wie ein Blick auf mein tägliches Nutzungsverhalten zeigt:
Energie & Solar: Da ist zunächst Powerfox zum Auslesen des Stromzählers. Hier sehe ich sekundenaktuell den aktuellen Stromverbrauch oder die Einspeisung sowie die Monats- und Jahresauswertungen im Mehrjahresvergleich. Ein extrem nützliches Tool, auf das ich locker zwei- bis dreimal täglich schaue. Hinzu kommen zwei separate Apps für die Überwachung unseres Stromspeichers und der Solaranlage.
Klima & Heizung: Die Steuerung und Effizienzüberwachung unserer Luft-Luft-Wärmepumpen erfolgt über die Melcloud Home App. Parallel dazu läuft für den täglichen Gasverbrauch und dessen Auswertung die GasGuard-App, ergänzt durch gelegentliche Kontrollblicke in das Wolf Smartset unserer Gasheizung.
Sicherheit & Netzwerk: Das Thema Sicherheit wird bei uns großgeschrieben. Die Ring-App wird täglich mehrfach aufgerufen, um die Kameras zu checken und die Ring-Alarmanlage mit ihren insgesamt 14 Sensoren im Blick zu behalten. Und da in unserem Netzwerk inzwischen fast 100 Geräte angemeldet sind, gehört auch der regelmäßige Kontrollblick auf die Fritz!Box zur Routine.
Smart-Home-Infrastruktur: Abgerundet wird das Ganze durch diverse smarte Zwischenstecker und Geräte, die über myStrom und Smart Life organisiert sind.
Rechnet man das zusammen, öffnet man über den Tag verteilt ganz automatisch und wie selbstverständlich 5 bis 8 verschiedene Apps – und das jeweils mehrere Male. Was für mich als Technikbegeisterten ein spannendes Hobby ist, wird in der Praxis schnell zu einer unübersichtlichen Klick-Arbeit.
Der „WAF“ (Wife Acceptance Factor) und die Wende im Garten
Ich dachte anfangs wirklich, dieser dezentrale Weg über die Einzel-Apps sei auch für meine Frau der einfachste. Natürlich hat sie sich hervorragend reingefuchst: Sie nutzt leidenschaftlich gerne die App für unsere Vogelbeobachtungskamera, kennt die anderen Anwendungen und kann sie im Notfall auch alle bedienen. Aber „können“ bedeutet nicht „wollen“ oder „praktisch finden“.
Spätestens bei alltäglichen Fragen im Garten stößt dieses System an seine Komfort-Grenzen: „Läuft die Bewässerungsanlage schon?“, „Kann ich jetzt mit dem Schlauch gießen oder bin ich mitten im automatischen Zeitfenster?“. Um das herauszufinden, muss man erst das Smartphone zücken, die richtige App suchen, warten bis sie geladen ist und sich zum Status durchklicken.
Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Ich muss das gesamte Konzept neu durchdenken. Ziel muss es sein, den Alltag so zu vereinfachen, dass man eben nicht mehrfach am Tag diverse Apps öffnen muss. Meine Frau soll die wichtigsten Informationen auf einen Blick sehen, ohne auch nur ein einziges Mal eine App starten zu müssen.
Die Vision: Das zentrale Smart-Home-Dashboard
Die Lösung für dieses Problem liegt in einer strikten Konsolidierung: Alle Fäden müssen an einem Ort zusammenlaufen. Ich plane daher den Bau eines zentralen Dashboards (Bedienpanels) auf einem fest installierten Tablet.
Das Ziel dieses Dashboards:
Alles auf einen Blick: Wichtige Statusmeldungen (Wetter, Bewässerungsstatus, aktuelle PV-Einspeisung, Alarmstatus) sind permanent sichtbar, ohne dass man scrollen oder tippen muss.
Direkte Steuerung: Zentrale Funktionen lassen sich mit einer einzigen Berührung direkt vom Tablet aus schalten.
Parallelbetrieb bleibt erhalten: Das Dashboard ersetzt nicht die Tiefenkonfiguration. Wer tiefer in die Analysen einsteigen möchte (wie ich bei den mehrjährigen Stromauswertungen), kann im Hintergrund oder auf dem eigenen Smartphone weiterhin parallel auf die gewohnten herstellerspezifischen Apps zugreifen.
Damit schaffen wir den Spagat zwischen maximalem Komfort im Alltag für meine Frau und der gewohnten technischen Detailtiefe für mich.
Die Hardware steht: Zwei Etagen, zwei Tablets
Nachdem die Entscheidung für ein zentrales Dashboard gefallen war, stellte sich sofort die nächste praktische Frage: Wie fange ich die Umsetzung am besten an?
Schnell war klar, dass ein einziges Display für unser Haus nicht ausreicht. Wenn man im ersten Stock ist, möchte man nicht erst ins Erdgeschoss laufen müssen, um den Status der Bewässerung oder der Kameras zu prüfen. Es müssen also zwei Dashboards her – eines für das Erdgeschoss und eines für die erste Etage. Das bedeutete, ich brauchte zwei Tablets.
Ein Blick in unsere Schubladen zeigte glücklicherweise, dass die Hardware-Frage eigentlich schon gelöst war, ohne dass ich Geld ausgeben musste. Bisher sah unsere Tablet-Nutzung nämlich so aus: Mit einem kleineren Gerät habe ich meistens nur „herumgespielt“, ohne es produktiv einzusetzen. Ein zweites Tablet wurde hauptsächlich zum Zeitunglesen genutzt. Und im Schrank schlummerte noch ein echtes Prachtstück: Ein hochwertiges, großes 12,7-Zoll-Tablet. Dieses Luxusgerät war eigentlich für den Urlaub gedacht – was in der Realität bedeutete, dass es 50 Wochen im Jahr ungenutzt im Schrank lag und nur für zwei Wochen Urlaub herausgeholt wurde.
Die Lösung lag auf der Hand: Das große 12,7-Zoll-Tablet wandert fest in die Küche. Dort kann man es perfekt als primäres Smart-Home-Dashboard nutzen, und durch die beachtliche Größe eignet es sich ideal, um morgens beim Kaffee weiterhin komfortabel die digitale Zeitung zu lesen. Zusammen mit dem zweiten vorhandenen Gerät habe ich nun die perfekte Hardware-Ausstattung für beide Stockwerke.
Die Systemfrage: Homey Pro oder Home Assistant?
Die Tablets sind bereit, doch nun folgt der wichtigste Schritt: Welche Software-Plattform soll die Fäden im Hintergrund zusammenziehen und die Benutzeroberfläche für das Dashboard liefern? Bei unserer enormen Anzahl von fast 100 Netzwerkgeräten, den vielen verschiedenen Herstellern und der geforderten Zuverlässigkeit kommen für mich nur zwei professionelle Systeme in Frage: Homey Pro und Home Assistant.
Beide Systeme haben in der Smart-Home-Welt einen hervorragenden Ruf, verfolgen aber völlig unterschiedliche Philosophien. Hier ist meine Analyse der Vor- und Nachteile für unser Vorhaben:
Option A: Homey Pro
Homey Pro ist eine kommerzielle All-in-One-Zentrale, die besonders für ihre Benutzerfreundlichkeit und die elegante Integration verschiedenster Funkstandards bekannt ist.
Vorteile:
Einfache Einrichtung (Plug-and-Play): Das System läuft direkt nach dem Auspacken. Man muss keine Programmiersprachen lernen oder Server aufsetzen.
Intuitive Benutzeroberfläche: Das Erstellen von Automatisierungen (sogenannten „Flows“) ist extrem übersichtlich und visuell genial gelöst. Auch ein Dashboard lässt sich relativ schnell und sauber einrichten.
Hohe Gerätekompatibilität: Viele unserer Apps (wie myStrom oder Ring) lassen sich oft mit wenigen Klicks über offizielle oder Community-Apps einbinden.
Geringer Wartungsaufwand: Updates laufen im Hintergrund, das System ist extrem stabil und erfordert wenig IT-Fachwissen im Alltag.
Nachteile:
Anschaffungskosten: Die Hardware (der Homey Pro Cube) ist in der Anschaffung recht teuer.
Eingeschränkte Dashboard-Flexibilität: Die Dashboards sind zwar hübsch, aber in ihren Anpassungsmöglichkeiten (Layout, tiefgreifendes Design) starrer. Wenn man ganz spezielle Design-Wünsche für das Tablet hat, stößt man eventuell an Grenzen.
Abhängigkeit vom Hersteller: Man ist darauf angewiesen, dass die Plattform vom Hersteller weitergepflegt wird.
Option B: Home Assistant
Home Assistant ist eine quelloffene (Open-Source) Software, die auf einem eigenen kleinen Server (z. B. einem Raspberry Pi oder einer Synology NAS) installiert wird. Sie gilt als die mächtigste Smart-Home-Software der Welt.
Vorteile:
Grenzenlose Freiheit beim Dashboard-Design: Für Tablets gibt es absolut nichts Besseres. Man kann jedes Pixel, jede Kachel, Farben, Grafiken und Layouts exakt so gestalten, wie man es möchte. Perfekt, um meiner Frau eine maßgeschneiderte, extrem einfache Oberfläche zu bauen.
Lokale Kontrolle & Datenschutz: Alle Daten bleiben im Haus. Das System ist rasend schnell, weil es nicht zwingend über eine externe Cloud kommuniziert.
Kompatibilitäts-König: Es gibt kaum ein Gerät auf der Welt, das sich nicht in Home Assistant einbinden lässt. Bei fast 100 Geräten im Haus ist die Chance riesig, alles – von den Wärmepumpen über die Fritz!Box bis hin zu den Kameras – perfekt zu integrieren.
Kostenlos: Die Software selbst kostet keinen Cent, man benötigt lediglich die passende Hardware zum Laufen.
Nachteile:
Hohe Lernkurve: Home Assistant erfordert Einarbeitungszeit. Man muss sich mit Konfigurationen beschäftigen, und nicht alles funktioniert per Klick.
Hoher Wartungsaufwand: Das System entwickelt sich rasant. Häufige Updates können dazu führen, dass man ab und zu Anpassungen vornehmen muss, damit alles reibungslos weiterläuft („Bastelfaktor“).
Zeitintensiv: Bis ein Dashboard wirklich perfekt aussieht und alle Systeme fehlerfrei verknüpft sind, vergehen viele Stunden Arbeit.
Wie meine endgültige Entscheidung ausgefallen ist, welches System das Rennen gemacht hat und wie der konkrete Versuchsaufbau auf den beiden Tablets startete, erfahrt ihr im nächsten Teil des Berichts...(Autor Uwe Schöne)