Modernisierung
Klartext – Warum scheitert die Modernisierung oft im Kopf? Ein Plädoyer für mehr Offenheit und gegen das betreute Jammern
In den letzten Monaten habe ich nicht nur mein Haus komplett auf den Kopf gestellt – von der hocheffizienten Luft-Luft-Wärmepumpen bis hin zur intelligenten Haussteuerung mit dem Homey Pro –, sondern ich habe auch eine ganz andere, rein menschliche Entdeckung gemacht: Die größte Barriere für die Energiewende und die Digitalisierung sitzt nicht im Keller, Heizungsschrank oder im Zählerkasten. Sie sitzt direkt zwischen den Ohren.
Wenn ich meine Berichte hier auf der Webseite veröffentliche, ernte ich glücklicherweise viel Zuspruch. Sogar drei professionelle Energieberater waren schon bei mir vor Ort im Ammerland, haben sich mein System live angesehen und waren absolut begeistert von der Effizienz und der Umsetzung. Das zeigt mir: Es funktioniert in der Praxis, nicht nur in der bunten Prospektwelt der Hersteller!
Umso skurriler – und ehrlich gesagt auch ermüdender – ist das, was man im alltäglichen Umfeld oft miterlebt. Da wird in den heißen Sommermonaten kollektiv gejammert, dass man im Obergeschoss vor Hitze kurz vor dem Hitzeschlag steht. Die Konsequenz? Es werden im Erdgeschoss mitten im Weg die Betten aufgebaut, weil das Schlafzimmer oben zur finnischen Sauna mutiert ist.
Fängt man dann aber ganz entspannt an zu erklären, wie einfach, effizient und komfortabel sich dieses Problem mit einer modernen Luft-Luft-Wärmepumpe lösen lässt (die im Sommer eben auch eine erstklassige Klimaanlage ist), rennt man gefühlt gegen eine unsichtbare Gummiwand. Die Augen werden glasig, man schaltet kollektiv auf Durchzug und man gilt schnell als der „Monothematiker“, der schon wieder von seiner Technik anfängt. Mittlerweile nehme ich eine spürbare Zurückhaltung wahr, wenn in meiner Gegenwart die Themen erneuerbare Energien, Digitalisierung oder moderne Heizungssysteme zur Sprache kommen. Es scheint oft eine unausgesprochene Übereinkunft zu geben, diese Felder auszuklammern, als stünden sie auf einer Art Index.
Ich versuche wirklich inständig, mich in solchen Momenten zurückzuhalten und einfach wegzuhören. Ich will niemanden bekehren. Aber ich gebe offen zu: Es fällt verdammt schwer! Es tut als rational denkender Mensch in der Seele weh, wenn man mit so viel hanebüchenem Unwissen, Mythen und offensichtlichen Fehlannahmen konfrontiert wird und gleichzeitig zusehen muss, wie sehenden Auges bares Geld verbrannt wird.
Warum ist das so? Warum tun sich so viele Menschen – ganz besonders in meinem geliebten Jahrgang 60 plus – so unendlich schwer mit neuen Wegen? Nach gründlicher Analyse bin ich auf drei kapitale Denkfehler gestoßen:
1. Die Ausrede mit dem Haltbarkeitsdatum: „Ich bin zu alt dafür!“
Ein absoluter Klassiker in der Argumentations-Trickkiste: „Ich bin einfach zu alt für diesen ganzen digitalen Kram oder diese neumodische Technik.“ Hand aufs Herz: Ich bin jetzt 64 Jahre alt. Und hier kommt das größte Geheimnis: Ich bin weder Raketenwissenschaftler, noch IT-Experte oder EDV-Spezialist. Ich bin von Beruf auch nur ein ganz einfacher Kaufmann!
Alles, was ich mir erarbeitet habe, basiert nicht auf einem Informatik-Studium, sondern schlichtweg auf einer Prise Neugier, gesundem Menschenverstand und Struktur. Wenn ich es als Laie im Alleingang schaffe, mich durch Foren zu beißen, YouTube-Videos zu studieren und einen 17-seitigen Leitfaden für ein Smart Home zu schreiben, dann ist das Alter keine Entschuldigung. Es ist schlichtweg Bequemlichkeit. Wer ein Smartphone unfallfrei für WhatsApp-Bildchen, Urlaubsgrüße oder das Online-Banking nutzen kann, der besitzt auch die geistigen Kapazitäten, um zu verstehen, wie eine moderne Heizung oder ein Dashboard funktioniert. Man muss kein IT-Zertifikat an der Wand hängen haben – man muss es nur lernen wollen. Der Rest ist betreutes Jammern.
2. Das Heizungskeller-Theater: Bloß nichts tun, solange es noch knallt
Ein weiteres riesiges Problem ist das absolute Fehlen von vorausschauendem Denken. Frei nach dem Motto: „Solange die alte Kiste im Keller noch irgendwie Lebenszeichen von sich gibt, wird keinen Millimeter nachgedacht.“ Aber was passiert denn, wenn die alte Gasheizung mitten im tiefsten Januar irreparabel den Geist aufgibt? Dann ist das Drama groß, die Bude kalt und die Panik riesig. Im fliegenden Galopp wird dann in der Hektik schnell der nächste Gasbrenner reingeprügelt, den man dann in naher Zukunft verpflichtend mit astronomisch teurem Biogas, normalen Gas und CO 2 füttern darf. Glückwunsch – damit hat man sich dann auf Jahre hinaus erfolgreich dumm und dämlich bezahlt!
Dabei wäre es so einfach, sich jetzt – in aller Ruhe und ohne Frostbeulen an den Füßen – Gedanken zu machen und sich über Luft-Luft- oder Luft-Wasser-Wärmepumpen zu informieren. Aber Logik zieht hier oft nicht. Man hört erstaunlich häufig Sätze wie: „Solange ich meine Heizung im Keller, Heizungsraum und Heizungsschrank lautstark hören kann, wie sie alle paar Minuten an- und ausspringt, weiß ich: Alles super, die läuft!“
Dabei ist genau das der größte Mist! Eine moderne Gasheizung muss schnurren wie ein sattes Kätzchen und sollte im Idealfall kaum zu hören sein. Wenn eine Kiste permanent an- und ausspringt, dann nennt man das Takten. Die Heizung quält sich zu Tode und ist völlig falsch eingestellt. Würde man da einfach mal die Vorlauftemperatur vernünftig runterregeln, wäre schon viel gewonnen – aber meistens wird bei solchen Ratschlägen nur abgewinkt. Es ist wirklich ein Trauerspiel in mehreren Akten.
3. Das Phänomen: Jammern bringt Applaus, Lösungen bringen Einsamkeit
Es scheint fast ein Volkssport geworden zu sein: Über die unerträgliche Hitze unter den Dachpfannen oder über die unverschämten Energiepreise zu klagen, bringt in alltäglichen Gesprächsrunden sofort Mitgefühl und zustimmendes Nicken. Man gehört dazu, man leidet gemeinsam. Eine echte Lösung erfordert dagegen Eigeninitiative. Man muss den Hintern hochkriegen, sich informieren und das Projekt anpacken. Da ist das Klappbett im zugigen Flur oder das sture Akzeptieren einer falsch eingestellten Heizung für viele leider immer noch der gemütlichere Weg. Man bleibt lieber kuschelig im gewohnten Problem sitzen, als sich der kurzen Anstrengung einer Lösung auszusetzen.
Mein Wunsch für die Zukunft: Weniger Blockade, mehr Rendite im Kopf!
Mit diesem Bericht möchte ich niemanden persönlich angreifen – aber ein bisschen Wachrütteln tut dringend not. Die Technik von heute ist kein Hexenwerk für Auserwählte mehr. Sie ist dafür da, unser Leben komfortabler, sicherer und am Ende des Tages vor allem spürbar günstiger zu machen.
Mein Appell an alle, besonders an meine eigene Generation: Habt wieder ein bisschen mehr Mut und verlasst die Komfortzone! Habt den Mut, Fragen zu stellen und den Leuten mit echter Praxiserfahrung mal wirklich zuzuhören, anstatt sofort defensiv abzuwinken. Man braucht kein Diplom, um sein Haus zukunftssicher aufzustellen – ein klugen Blick auf die Fakten und ein bisschen eigener Wille reichen völlig aus. Die Digitalisierung und die Energiewende rollen sowieso – und es macht unheimlich viel Spaß, auf dem Fahrersitz zu sitzen, anstatt hilflos hinterherzulaufen!
In diesem Sinne: Bleibt offen für Neues, guckt über den Tellerrand und werft mal einen kritischen Blick auf eure Vorlauftemperaturen! Der nächste Bericht aus der Praxis kommt garantiert. (Autor Uwe Schöne)