Durchlauferhitzer
Warum bei mir der Durchlauferhitzer die Brauchwasser-Wärmepumpe schlägt – Eine ehrliche Praxis-Kalkulation
Ich beschäftige mich nun schon seit geraumer Zeit mit der Optimierung meiner Haustechnik. Mittlerweile heize ich mein Haus komplett über ein System aus Luft-Luft-Wärmepumpen. Das funktioniert hervorragend, ist extrem effizient und hält die Heizkosten überschaubar. Das einzige Überbleibsel aus alten Tagen ist meine Gasheizung, die mit ihren mittlerweile neun Jahren im Obergeschoss schlummert und eigentlich nur noch für die Warmwasserbereitung sowie als theoretisches Backup da ist.
Da ich mit meinen 64 Jahren aber gerne vorausschauend plane, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es in einigen Jahren weitergehen soll. Wenn in zehn oder zwölf Jahren die alte Gastherme endgültig den Geist aufgibt oder vorher eine Reparatur ansteht, die die Grenze von 600 Euro überschreitet, werde ich sie definitiv nicht mehr repariere lassen. In dem Alter investiert man schließlich kein gutes Geld mehr in veraltete Fossilmuster.
Damit stand ich vor der grundlegenden Frage, wie die Warmwasserzukunft in meinem Haus aussehen soll. Auf den ersten Blick gibt es zwei offensichtliche Wege: Entweder eine moderne Brauchwasser-Wärmepumpe einzubauen oder auf einen kompakten, zentralen 21-kW-Durchlauferhitzer bzw. 18-KW-Durchlauferhitzer zu setzen. Wenn man sich in den Medien umhört, schreit im Grunde alles nach der Wärmepumpe. Aber als Pragmatiker greife ich lieber zum Taschenrechner, anstatt blind jedem Trend hinterherzulaufen.
Schaut man sich die Zahlen einmal ganz nüchtern an, wird die Sache schnell eindeutig. Unser aktueller Gasverbrauch für die Warmwasserbereitung liegt bei drei Personen bei etwa 1.300 Kilowattstunden im Jahr. Wenn man die typischen Übergabeverluste einer alten Therme abzieht, entspricht das einem reinen Nutzwärmebedarf von rund 1.000 Kilowattstunden. Bis der Austausch ansteht, bin ich bereits Mitte 70 und meine Frau und ich wohnen alleine im Haus. Der tatsächliche Warmwasserbedarf wird dann naturgemäß eher noch etwas geringer ausfallen.
Sobald die alte Gasheizung komplett rausfliegt, fallen neben den reinen Verbrauchskosten noch ein paar erhebliche Nebenkosten weg. Bisher habe ich für die Therme rund 200 Euro Wartung bezahlt – da die Nutzung aber so gering ist, stelle ich ab nächstem Jahr sinnvollerweise schon auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus um, was umgerechnet 100 Euro im Jahr macht. Der Schornsteinfeger schlägt alle drei Jahre mit 80 Euro zu Buche (ca. 27 Euro pro Jahr). Der eigentliche Posten ist aber die Grundgebühr: Der aktive Gasanschluss kostet mich derzeit 282 Euro im Jahr. Ein rein inaktiver Anschluss liegt zwar bei 67,12 Euro jährlich, aber rechnet man die Ersparnis aus entfallendem aktiven Anschluss, reduzierter Wartung und Schornsteinfeger zusammen, spare ich ohne die Gastherme rund 340 Euro reine Festkosten im Jahr – ganz ohne den Gasverbrauch selbst!
Rechnet man jetzt noch die 130 Euro Warmwasserkosten hinzu, die ich bisher jährlich für das Gas bezahlt habe (1.300 kWh zu je 10 Cent), komme ich auf eine Gesamtersparnis von rund 470 Euro im Jahr durch den kompletten Ausstieg aus dem Gas.
Das Geniale daran: Ich zahle unter dem Strich überhaupt keinen Cent mehr als vorher! Bei meinem aktuellen Strompreis von 25,59 Cent pro Kilowattstunde verursacht der Durchlauferhitzer nämlich Stromkosten von etwa 256 Euro im Jahr. Da ich aber 470 Euro an bisherigen Gas- und Nebenkosten einspare, deckt diese Einsparung die Stromkosten nicht nur vollständig ab – ich lege mir ab dem ersten Tag jedes Jahr sogar noch über 200 Euro echtes Geld auf die hohe Kante.
Der eigentliche Unterschied liegt deshalb rein bei den Anschaffungskosten: Der Durchlauferhitzer kostet mich inklusive Material rund 1.000 Euro, während für eine Brauchwasser-Wärmepumpe schnell 3.000 Euro fällig wären. Eine Wärmepumpe würde zwar noch etwas weniger Strom verbrauchen (ca. 84 Euro im Jahr) und gegenüber dem Durchlauferhitzer theoretisch knapp 170 Euro im Jahr sparen. Aber warum sollte ich 2.000 Euro mehr auf den Tisch legen, nur um eine geringfügig höhere Ersparnis herauszuholen? Ich muss für den Strom des Durchlauferhitzers schließlich ohnehin keinen Cent „extra“ aus eigener Tasche zahlen, da die wegfallenden Gas-Fixkosten das komplett auffangen und sogar noch ein Plus übrig lassen. Die 2.000 Euro Preisunterschied bei der Anschaffung bleiben einfach als bares Geld auf meinem Konto – ohne Risiko, ohne komplizierte Technik und ohne spätere Wartungskosten.
Klar ist dabei auch: Sämtliche Zahlen basieren auf dem heutigen Stand der Dinge. Wie sich Strom-, Gas- oder Gerätepreise in zehn Jahren entwickeln, weiß heute natürlich kein Mensch. Aber genau deshalb ist der Weg mit den geringsten Anschaffungs- und Wartungskosten die sicherste Bank.
Auch die baulichen Gegebenheiten bei mir zu Hause spielen dem Durchlauferhitzer perfekt in die Karten. Mein Heizungsraum befindet sich im Obergeschoss, direkt neben dem Badezimmer. Der Leitungsweg beträgt gerade einmal zwei Meter. Das bedeutet, dass nach dem Aufdrehen der Armatur lediglich ein winziger Schluck kaltes Standwasser aus der Leitung fließt und das Wasser praktisch nach zwei bis drei Sekunden genau in der gewünschten Temperatur ankommt. Auch die Installation ist denkbar einfach: Die Wasseranschlüsse der alten Therme liegen im Heizungsraum bereits zentral an und können direkt genutzt werden. Für die Stromversorgung nutze ich ein vier Meter einfaches Leerrohr in der Wand, über das ich die notwendige fünfadrige 6-Quadratmillimeter-Starkstromleitung auf der gesamten Strecke von rund 15 Metern vom Sicherungsschrank über den ungedämmten Dachboden bis in den Heizungsraum problemlos selbst verlegen kann. Der Elektriker muss die Leitung am Ende nur noch fachgerecht im Zählerschrank auflegen und durchmessen. Die Grundgebühr für den Stromanschluss fällt bei der Gesamtrechnung ohnehin an, da unser Haushalt ja sowieso am Stromnetz hängt.
Für die seltenen Fälle, in denen in der Küche warmes Wasser benötigt wird, läuft die vorhandene Leitung über die zehn bis 13 Meter zum Durchlauferhitzer mit. Da das Geschirr ohnehin über die Spülmaschine gereinigt wird und in der Küche fast nur kaltes Wasser fließt, stört es überhaupt nicht, wenn man beim seltenen Putzen mal ein paar Sekunden auf das heiße Wasser warten muss.
In der Gesamtschau bietet der Durchlauferhitzer für mich im höheren Alter das Maximum an Entlastung und Komfort. Es gibt keinen Speicher, der rund um die Uhr Energie verliert, kein stehendes Wasser und damit absolut kein Legionellenrisiko. Es gibt keine Anoden, die getauscht werden müssen, keine Filter, keinen Lärm und schlichtweg nichts, was gewartet werden müsste. Sollte das Gerät nach 15 Jahren tatsächlich einmal den Dienst quittieren, schraubt man für überschaubares Geld einfach in einer halben Stunde ein neues Kompaktgerät an die Wand.
Beide Lösungswege haben ihre Berechtigung, aber in Kombination mit meinen Luft-Luft-Wärmepumpen für die Raumwärme ist der Durchlauferhitzer für mein persönliches Nutzerprofil schlichtweg die wirtschaftlichste, unkomplizierteste und entspannteste Abrundung. Bevor es in einigen Jahren wirklich so weit ist und der Wechsel ansteht, werde ich mein Konzept aber noch einmal kurz mit dem netten Energieberater durchsprechen, der bei uns in der Nachbarschaft wohnt und sich meine Luft-Luft-Wärmepumpen damals auch schon mal in Ruhe angeschaut hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mir nach einem kurzen Blick auf meine Berechnungen und die kurzen Leitungswege genau bestätigen wird, dass ich mit meiner Überlegung absolut richtig liege. (Autor Uwe Schöne)